Regionale Wertschöpfung

  • Stand: 24.8.2013

Einleitung

Bei unserer Entscheidung für oder gegen den Bau der Windfarm müssen wir alle in Mecklenburg-Vorpommern (MV) relevanten Wirtschaftszweige einbeziehen, nicht nur den Tourismus. Unsere hiesige Wirtschaft hat eine Gegenwarts- und eine Zukunftsperspektive. Letztere bestimmt, ob sich MV -ähnlich wie seinerzeit Bayern- auch zukunftsfähiger, an die regionalen Gegebenheiten angepasster Technologie öffnet und für seine intelligente Jugend, z.B. aus Universitäten und Fachschulen, attraktiv bleibt.

Unser Land weist geographische Vorzüge auf. Unsere Gemeinde hat gegenwärtig eine -möglicherweise zeitlich begrenzte- Chance, sich neuen Geschäftsmodellen im Bereich erneuerbarer Energieerzeugung zu öffnen (Angebote von Investoren, Energieparks in Bürgerhand). Es wird einen verschärften Wettbewerb der Standorte und Regionen um Investitionen, Arbeitsplätze und Fachkräfte geben (Regionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte, Abwägungsdokumentation über das erste Beteiligungsverfahren). Wir müssen also -wie nach der Wende 1990- die klassischen „Entscheidungen in Ungewissheit“ (decisions under uncertainty) treffen (Umwelt- und naturverträgliche Windenergienutzung in Deutschland). Es geht für uns darum, abzuwägen, ob und wie wir Einfluss nehmen

  1. auf Natur, z.B. Vogelwelt,
  2. auf unsere gegenwärtige Situation, z.B. auf Tourismus (StudieFragen und Antworten zur Windenergie) und Immobilienwerte,
  3. auf technologische Innovation und -in deren Folge- Entwicklung neuer Ideen in unserer Gemeinschaft.

Dieser Blog soll helfen, informierte Entscheidungen zu treffen.

Managementmodelle und Organisationen, die helfen, uns Innovationen zu öffnen, sind in MV vorhanden (z.B. „Energie- und Klimaschutzmanagement: Der Schlüssel zu mehr Energieeffizienz in Kommunen„, dena, 2012). Konkret im Bereich der Windenergie gibt es in unserer Region „Beratung von Anfang an und Vor-Ort-Betreuung“, damit

„alle Ansätze für eine kommunale Wertschöpfung maximal herausgearbeitet werden“,

„Bürger sich an maßgeschneiderten Projekten in ihrer Region beteiligen können“,

„bei der Planung und Umsetzung beste Ergebnisse erzielt werden“,

„Windenergieprojekte von ersten Analysen bis zur schlüsselfertigen Übergabe transparent durchgeführt werden“.

(Quelle der Zitate: Windbauer GmbH, WB-Energy, WindBauer Service, WindBauer Academy)

Die WindBauer Academy veranstaltete das erste Fachseminar im Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea) zum Thema „Wertschöpfung durch Windenergie“.

  1. Grundsätze und Vorraussetzungen, Referent: Matthias Niedzwetzki, Geschäftsführer WindBauer GmbH
  2. Rechtliche Hinweise, Vertragsrecht und Gesellschaftsstrukturen im Zusammenhang mit der Errichtung von eigenen Windenergieanlagen/Bürgerwindparks, Referent: Jan Christiansen, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Agrarrecht und Erbrecht
  3. Das Windprojekt aus Sicht des Hauptkapitalgebers Bank, Referent: Peter Heuer, Teamleiter Umwelttechnik, Deutsche Kreditbank AG, Niederlassung Neubrandenburg
  4. Technische Entwicklungen in der Windenergiebranche, Referent: Volker Wöhrmann, Sales Engineer Wind Power Plant Sales & Sales Support, Vestas Central Europe

Andere Windenergie-Projektierer und Planer.

Unsere Entscheidung bereitet die Basis für eine Zukunft nach uns. Sie ist zu wichtig, als dass wir sie in einer (z.B. in Alter oder Beruf) homogenen Gruppe treffen könnten, die auf Erfahrungen aus der Vergangenheit  verweist. Moderne internetbasierte Kommunikations- und Beteiligungsformen (s. mein Artikel zu Bürgerschaftlichem Engagement im Windparkprojekt) geben uns eine neue Chance, in offener, vertrauensvoller Zusammenarbeit  den hier schon vorhandenen, ungewöhnlich stark entwickelten Gemeinschaftssinn für die anstehenden komplexen Entscheidungen nutzbar zu machen.

Email und Internet-Nutzung haben unser Leben stark verändert. Ebenso werden die erwähnten neuen Kommunikations- und ~Beteiligungsformen ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens werden. Das zeigen uns die angelsächsischen Nachbarn. Diese Formen führen uns in ein völlig neues bürgerschaftliches und ökonomisches Handeln. Mehr im Interview mit dem Demokratie- und Netzexperten und Politblogger Micah Sifry (audioTransskript).

Regionale Beschäftigung in der Windenergie-Industrie

Im Folgenden gebe ich Zahlen für die in der Windenergie-Industrie direkt (d.h. an Herstellung und Betrieb) und indirekt (d.h. in der „Vorleistung“, also u.a. in der Zulieferung) Beschäftigten, zunächst in Deutschland und anschließend in Mecklenburg-Vorpommern.

Zur Berechnung dieser Zahlen wertet man entsprechende Statistiken mit Modellen aus. Die folgenden Aussagen stützen sich auf ein „Pilotmodell“ der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS-Studien).

abb.13

Abb. 1: Pilotmodell zur Berechnung regionaler Effekte durch indirekte Beschäftigung. (Quelle: Abb. 13 in Distelkamp et al., 2011)

Die indirekt in der Onshore-Windenergie Beschäftigten liefern ihre Produkte in die eigene und in andere Regionen Deutschlands. Die folgende Abbildung spezifiziert diese deutschlandweiten Lieferverflechtungen (Quelle: Distelkamp et al., 2011)

abb.17

Abb. 2: Räumliche Umwälzungen durch indirekte Beschäftigung im Bereich der Onshore-Windenergie auf Ebene von vier Großregionen in Deutschland. Die Werte in den gestrichelten Ellipsen geben die Absolutzahl der indirekten Beschäftigten an. Die gerichteten Pfeile geben wieder, wie die indirekten Beschäftigungseffekte im Kontext regionaler und interregionaler Lieferverflechtungen zustande kommen. Die Dicke der Pfeile ist proportio- nal zur Absolutzahl der Beschäftigten. (Quelle: Abb. 17 in: Distelkamp et al., 2011)

Im Einzelnen: Von den im Osten Deutschlands etwa 10 000 im Bereich Onshore-Windenergie indirekt Beschäftigten beliefern etwa 7000 ihre eigene Region.

Für die Windenergieerzeugung in Mecklenburg-Vorpommern berichtet die Agentur für Erneuerbare Energien im Einzelnen:

  • Bruttobeschäftigung 2009 (nur Onshore-Windenergie): 1710 Personen, 2011 (On- & Offshore-Windenergie): 4290 Personen
  • davon direkt Beschäftigte 2009: 950 Personen, indirekt Beschäftigte: 760 Personen (im deutschen Durchschnitt sind pro direkt Beschäftigtem 1.4 Menschen indirekt beschäftigt).
  • Bruttobeschäftigung pro 1000 Arbeitnehmer 2009 (nur Onshore-Windenergie): 2.6 Personen, 2011 (On- & Offshore-Windenergie): 6.6 Personen.

Alle Daten der Agentur zu Mecklenburg-Vorpommern.

Die regionale Wertschöpfung findet Unterstützung im enviMV – dem Umwelttechnologiennetzwerk aus Mecklenburg-Vorpommern

„enviMV … ist als Zusammenschluss von [zur Zeit 19] Unternehmen und Institutionen aus dem Umweltbereich aus Mecklenburg-Vorpommern gegründet worden, die die gemeinsame Vermarktung ihrer Produkte, Verfahren und Technologien und die gemeinsame Erschließung von Märkten in Entwicklungs- und Schwellenländern anstreben.“ (Quelle: enviMV)

enviMV Kompetenzfelder, Kompetenzatlas, Imagevideo

Schlussbemerkung: Mögliche Vernetzung

(a) Projekt „100% Erneuerbare-Energie-Regionen“ (100ee)

Nach eigenen Angaben „identifiziert, begleitet und vernetzt 100ee Regionen und Kommunen, die ihre Energieversorgung auf lange Sicht vollständig auf Erneuerbare Energien umstellen wollen (100ee-Regionen). Derzeit gibt es bereits über 130 Landkreise, Gemeinden und Regionalverbünde in Deutschland, die dieses Ziel verfolgen – und es werden immer mehr. Das Projekt unterstützt engagierte Akteure in den Regionen durch Kommunikations-, Transfer- und Vernetzungsleistungen.“

„Das Projekt [100% Erneuerbare-Energie-Regionen] wird vom Institut dezentrale Energietechnologien (IdE) durchgeführt. In der IdE-Geschäftsstelle arbeitet ein interdisziplinäres Projektteam. Gefördert wird das Projekt „100ee-Regionen“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), fachliche Beratung leistet das Umweltbundesamt (UBA).“

Über die Bedeutung von Windenergiefarmen im ländlichen Raum für das Gelingen der Energiewende wird in einem Blog des Projekts 100ee berichtet.

(b) Regionale Energie MV

Das Netzwerk Regionale Energie M-V wurde am 01. Juli 2008 in Güstrow gegründet. Ziel ist die Vernetzung von Akteuren, die in ihrer Region Energie-erzeugung und Energienutzung zum Wohle ihrer Region weiterentwickeln wollen. Ziele des Netzwerkes sind u.a. die Stärkung einer regionalen Energiewandlung und Energienutzung, die Förderung der Nutzung regenerativer Energien, Gestaltung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Energieversorgung des Landes, insbesondere im ländlichen Raum.“ (Quelle)

(Bio)EnergieDorf Bollewick

  • 20.000 Euro Preisgeld für das Klimaschutz-Projekt „Kooperationsnetzwerk (Bio)EnergieDörfer Mecklenburg-Vorpommern“Die Gemeinde Bollewick gehört zu den Gewinnern des Bundeswettbewerbs „Kommunaler Klimaschutz 2011“, den das Bundesumweltministerium in Kooperation mit der „Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz“ ausgeschrieben hat. Bollewick erhielt die Auszeichnung für die Initiierung des „Kooperationsnetzwerks (Bio)EnergieDörfer Mecklenburg-Vorpommern“. Der Zusammenschluss ebnet den – für einzelne Kommunen oft schwierigen – Weg zum CO2-sparenden „(Bio)EnergieDorf“. Allein im Aktionszeitraum seit Januar 2009 entschieden sich über 70 Gemeinden per Ratsbeschluss, „(Bio)EnergieDorf“ zu werden. Zudem haben sich in dieser Zeit zehn Institutionen dem strategischen Kooperationsnetzwerk angeschlossen, darunter Behörden, Organisati- onen, Unternehmen, Institute und Experten. Da das Netzwerk weiter wächst, profitiert die gesamte Region und der Umweltschutz wird aktiv gestärkt.“ (Quelle)
  • Coaching (Bio)EnergieDörfer Mecklenburg-Vorpommern

Verwendete Literatur
M. Distelkamp (GWS), P. Bickel (ZSW), P. Ulrich (GWS), U. Lehr (GWS), „Erneuerbar beschäftigt in den Bundesländern: Ausgewählte Fallstudien sowie Pilotmodellierung für die Windenergie an Land„, Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung und Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, 2011.

Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern, Aktionsplan Klimaschutz Mecklenburg-Vorpommern 2010: Teil A , Teil B.

samsoe

Soren Hermansen: „Wenn du gerne deine eigene Turbine haben möchtest, sollst du Land neben deiner Turbine an eine Genossenschaft verpachten und deine Nachbarn dazu anregen, auch eine eigene Windturbine zu betreiben. Man braucht auf jeden Fall Zeit, um die Leute, die hier wohnen, zu überzeugen. Wir mussten erklären, um welche Art Veränderung es uns geht, was für eine Zukunftsvision wir haben und was wir dafür tun können. … Ich wurde hier geboren … Ich fühle mich hier sehr zuhause, weil ich alle Hügel kenne … Viele der Hügel in meiner Nachbarschaft haben Namen … Für mich ist das so, als würde ich all die verschiedenen Phasen meines Lebens sehen … Die Landschaft ist wie ich: Sanfte Hügel und eine Menge unterschiedlicher Erfahrungen … Denke lokal, handle lokal„. (Quelle: Video)
Die Bauern in Samso bildeten Energiekooperativen und organisierten Windenergieseminare. In einem Jahrzehnt haben sie ihre Insel von einem CO2-Emittenden zu einem Exporteur von erneuerbarem Strom gemacht. Mehr als 450 Bewohner haben Anteile an Onshore Windanlagen. (Quelle: „Island in the Wind„)

Weiterführende Literatur

Der Text in diesem Kasten ist aus dieser Studie entnommen.

Das Fraunhofer IWES hat anhand von GIS-Daten vorhandene Potenziale im Rahmen der möglichen Genauigkeit ermittelt. Ziel der Untersuchung war die Überprüfung der Plausibilität der vom Auftraggeber genannten Flächennutzung von 2 % der jeweiligen Landesfläche. Zu diesem Zweck wurden Ausschlusskriterien wie z.B. Gewässer und Siedlungsflächen sowie Abstandsregelungen definiert, um auf dieser Basis die verfügbaren Flächen zu berechnen. Diese Flächen umfassen auch jene, die z.B. aufgrund von Steigung, Besitzverhältnissen usw. nicht für die Windenergienutzung in Frage kommen.

abb1

Abb. 1: Die Methodik der Flächenermittlung und Potenzialbestimmung beruht auf 5 Schritten:

  1. Zuerst werden auf Basis der verfügbaren GIS-Daten die Flächen definiert, die für die Windenergie entweder nutzbar, bedingt nutzbar oder gar nicht nutzbar sind. Diese Einteilung erfolgte in Absprache mit dem Auftraggeber.
  2. Anschließend wurden die nutzbaren Flächen entsprechend den Annahmen bestimmt.
  3. Darauf aufbauend wurden die Windbedingungen zu den einzelnen Standorten ermittelt und mit den nutzbaren Flächen überlagert.
  4. Im Schritt 4 wurden auf den nutzbaren Flächen entsprechend der vorgegebenen Szenarien Windenergieanlagen (WEA) platziert und
  5. im Schritt 5 die zugehörigen Erträge an den WEA-Standorten berechnet und zum Gesamtertrag zusammengefasst.

abb6

Abb. 6: Die [nach GIS-Daten] berechneten nutzbaren Flächen werden entsprechend der Definition in dem vorangegangenen Kapitel in Abbildung 6 in vier Klassen aufgeteilt: Flächen ohne Restriktionen (grün), nutzbarer Wald außerhalb von Schutzgebieten (gelb), nutz- bare Flächen innerhalb von Schutzgebieten (orange) und nicht nutzbare Flächen (rot).

Heute werden Windenergieanlagen (WEA) meist auf offenem Land außerhalb von Schutzgebieten und Wäldern errichtet. Daneben ist eine Nutzung in Wäldern und eingeschränkt auch in bestimmten Typen von Schutzgebieten denkbar. Deshalb wurden Untersuchungen für diese 3 Kategorien vorgenommen:

  1. Flächen ohne Restriktionen:
    • Landwirtschaftlich genutzte Flächen (nicht bewässertes Ackerland, Wiesen und Weiden, Obst- und Beerenobstbestände, Weinbauflächen und landwirtschaftlich genutzte Flächen mit natürlicher Bodenbedeckung) sowie
    • natürliche Flächen mit geringem Bodenbewuchs (natürliches Grünland, Heiden, Moorheiden und Flächen mit spärlicher Vegetation)
  2. Flächen in Wäldern: Laubwald, Nadelwald, Mischwald und Wald- Strauchübergangsformen
  3. Flächen in Schutzgebieten: Landschaftsschutzgebiet, Naturparks, Biosphärenreservate sowie Fauna- und Flora-Habitate

Andere Flächen wie Nationalparks, Naturschutzgebiete, bebaute Flächen, Gewässer, Gletscher und Dauerschneegebiete oder in Gezeitenzonen liegende Flächen wurden als für WEA nicht nutzbare Flächen betrachtet.

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Abb.11: Verteilung­ von­ Flächen­ für­ gute­ Standorte­ und ­Schwachwindstandorte­ in Deutschland ­auf­ Basis­ der ­Deutschen-Wetterdienst-­Daten.

Der Abstand der WEA zu bestimmten Gebieten und Verkehrswegen (z. B. Siedlungen, Straßen, schiffbaren Flüssen) wird bei der Berechnung als Puffer umgesetzt. Um die Auswirkung der Pufferung insgesamt bewerten zu können, wurden die Puffer um 50 % vergrößert bzw. reduziert.

Insgesamt hat sich gezeigt, dass die Pufferung einen entscheidenden Einfluss auf die verfügbaren Flächen hat.

abb12

Abb. 12: Auswirkung der Pufferung auf die potenziell nutzbaren Flächen. Der Grund für den größeren Einfluss auf die Flächen ohne Restriktionen (hauptsächlich Felder und Wiesen) sind vermutlich deren Lage in der Nähe von Städten und Verkehrswegen, die von der Veränderung des Puffers (d.h. den Abstandsregelungen) besonders stark betroffen sind.

Zusammenfassung
Im Rahmen der Studie wurde auf Basis der Bodenbedeckungsdaten und Vorgaben des BWE ein Potenzial der Windenergienutzung in Deutschland bestimmt. Die Ergebnisse sind alle plausibel, unterliegen jedoch den folgenden Unsicherheiten:

  • Durch die Auflösung der Inputdaten, insbesondere der CORINE-Daten, können einige lokale Effekte nicht abgebildet werden [die z.B. in Abb. 12 abgeschätzt werden].
  • In der Studie werden Richtwerte der möglichen Energieerträge angegeben. Diese berücksichtigen keine lokalen Aspekte der Orographie oder Topographie, Hindernisse oder kleinskalige Windverhältnisse und sind daher als Vergleichsgröße zwischen Regionen anzusehen und nicht als absolute zu erwartende Erträge.

Die Ergebnisse lassen sich mit obigen Einschränkungen wie folgt zusammenfassen:

  • Die Studie bietet auf Basis homogener Eingangsdaten eine stark regionali-
    sierte Potenzialanalyse.
  • Etwa 7,9 % der (Onshore-)Fläche Deutschlands sind für Windenergienutzung
    geeignet. Bei Berücksichtigung von Wäldern und zusätzlich Schutzgebieten
    ergeben sich 12,3 % bzw. 22,4 % nutzbare Fläche.
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Offene Fragen

Stand: 10.3.2013

Beim Beschäftigen mit dem Windfarmprojekt hat sich gezeigt, dass noch viele Fragen offen sind. Einige von ihnen habe ich in diesem Blog herausgegriffen.

Mit diesem Artikel möchte ich anregen, zur Konkretisierung der Probleme einen Fragenkatalog aufzustellen. Der Katalog könnte hier angefangen und in Uns Hus vervollständigt werden. Wir könnten in der Versammlung beschließen, ihn -im offiziellen Auftrag der Versammelten- dem Bügermeister vorzulegen.

Ziel sollte sein, unsere Handlungsspielräume auszuloten, anstatt uns mit der vorgegebenen Situation abzufinden.

(1) Standort

  • Auf welchen Ankershagener Flächen sollen die geplanten Windenergieanlagen errichtet werden?
  • Welche alternativen Standorte sind bei der Projektierung berücksichtigt worden?
  • Auf welcher Basis wurde der Gemeinde Ankershagen der Vorrang vor den Alternativen gegeben?
  • Würde ein Wegfall des Ankershagener Standorts zu einem geringeren Ausbau der Windkraft in Mecklenburg-Vorpommern führen? Mit anderen Worten: Sind in MV nicht ausreichend viele Standorte für den Windkraft Ausbau vorhanden, und würden wir daher mit unserem Widerstand die Wirtschaftsentwicklung in MV beeinträchtigen?

(2) Auswirkung auf Umwelt, Tourismus und Immobilienwerte

  • Liegt eine Umweltfolgenabschätzung vor?
  • Welche Vermeidungsmöglichkeiten wurden betrachtet?
  • Wie groß ist der Radius des Windparkwirkraums angesetzt worden (5 oder 10 km) und auf welcher Basis?
  • Welche Bewegungsmöglichkeit gibt es innerhalb der Datengrundlage, mit der die Behörden arbeiten?  Im Einzelnen: Welche Daten stehen zur Auswahl, um die Schutzgutaspekte „Erlebnis“, „Erholung“, „Historische Kulturlandschaft“ und deren Empfindlichkeit gegen Einwirkungen von Windenergieanlagen (WEA) zu bewerten?
  • Kumulative Wirkung: Wo liegt die Grenze der Anzahl von WEA in einem Windpark und wie nahe an diese Grenze kämen wir in Ankershagen?
  • Welche Erfahrungen mit Vogelunfällen liegen für die Windparks von Altentrepow und Grapzow vor?
  • In welchem Ausmaß wird sich der Tourismus verändern (Erfahrungen benachbarter Gemeinden, Studien von Tourismusorganisationen)?
  • Um wie viel werden sich Grundstücks- und Immobilienwerte verändern?

(3) Finanzielles: Betriebsergebnisse, Gewerbesteuern, Pacht, Beteiligung

  • Welche Wirkung auf die regionale Beschäftigung hätte die projektierte Ankershagener Windfarm?
  • Ist vom Betreiber wpd eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegt worden?
  • Wie groß sind die zu erwartenden Abweichungen zwischen prognostizierten und erreichten Betriebsergebnissen? (Beispiel: Windwärts Energie GmbH, Betriebsergebnisse: 2012 lag das Verhältnis erreichte kWh/prognostizierte kWh zwischen 0.8 und 1.3 mit Mittelwert bei 0.93. Von 2009 bis 2012 variierte der Mittelwert zwischen 0.8 und 0.97)
  • Wie hoch werden im Rahmen dieser Ungewissheit die Gewerbesteuereinnahmen im zeitlichen Verlauf sein, d.h. welches Finanzierungsmodell verwendet der Betreiber?
  • Sind die Gewerbesteuereinnahmen der Altentreptower Windfarmen auf unsere Verhältnisse übertragbar?
  • Welcher Bruchteil der Gewerbesteuer wird an die Gemeinde abgeführt?
  • Nach welchem Schlüssel werden die Einnahmen aus Steuern anschließend in der Gemeinde verteilt?
  • In welchem Verhältnis stehen die Pachtzahlungen zu den Gewerbesteuern?
  • Wie hoch sind die in Aussicht gestellten Rabatte auf den lokalen Strompreis?
  • Wer wird Betreiber der Windfarm sein?
  • Welche Beteiligungsformen für die lokale Bevölkerung oder Gemeinde sind möglich?

(4) Alternative Betreiber und Optimierung – Windpark in Bürgerhand

  • Sind andere Betreiber in Betracht gezogen worden?
  • Wie weit ist die Alternative „Windpark in Bürgerhand“ durchdacht worden (Projektierung, Bau und Betrieb durch eine vertrauenswürdige regionale Firma im Auftrag der Ankershagener Bürger und Landwirte)?
  • Könnte ein solcher Windpark in Bürgerhand eine breitere Kriterienpalette erfüllen als der projektierte, d.h. könnte er mit geringerer Wirtschaftlichkeit und Größe arbeiten und dafür Umwelt und Bürger weniger beeinträchtigen (wie etwa die 5 Windenergieanlagen in Penzlin)?

Zentraler Bestandteil der Antworten müssen die Quellen sein, aus denen die Antworten hergeleitet werden.

Bürgerschaftliches Engagement im Windfarmprojekt

Stand: 29.7.2013

Moderne und wirksame Formen der Bürger-Information und -Beteiligung verwirklichen die Prinzipien Open Data und Open Government.  Dies verläuft auf zwei Schienen:

  1. offene Verwaltung und Transparenz,
  2. zivilgesellschaftliche Teilnahme.

Jüngstes Beispiel für Schiene 1: Für Niedersachsen haben der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und der Chaos Computer Club Hamburg einen ersten Gesetzentwurf in der Form eines wiki erarbeitet:

Es werden dort die traditionellen Forderungen gestellt, welche sich in den Informationsfreiheitsgesetzen finden.

Zusätzlich müssen aber auch

  • Verträge,
  • Gutachten,
  • Statistiken und
  • Verwaltungsvorschriften sowie
  • alle Informationen von öffentlichem Interesse

im Internet verfügbar gemacht werden (mehr …).

Diese Formen des Informationsflusses sind wesentlicher Teil der Basis eines modernen demokratischen Austauschs. Ihren Wert haben sie auf allen Ebenen unserer Gesellschaft, auf der globalen wie auf der lokalen. Auf allen Ebenen geht es um die gleichen Ziele, vor allem die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten, ohne die Demokratie meiner Meinung nach nicht zu verwirklichen ist.

Ich schlage daher vor, die Bürgerinformation im Windenergieprojekt entlang dieser Richtlinien zu gestalten (wobei im gegenwärtigen Evolutionsschritt neben der Veröffentlichung im Internet die öffentliche Auslage, z.B. in der Gemeindeverwaltung stehen sollte).

Insbesondere mit der Verbreitung der mobilen internet-basierten Kommunikation haben sich praktikable Kommunikationsformen gebildet. Blogs und Austausch in sozialen Medien wie facebook oder twitter sind Bestandteil z.B. angelsächsischer Demokratie geworden (Beispiel: US National Broadband Plan: Civic Engagement, Ten Principles for Opening Up Government Information, deutsche Version, Kritik an der vom Bundesministerium des Inneren vorgeschlagenen „Insellösung“ (nicht international kompatibel) für Deutschland).

Angewandt auf das Windfarmprojekt bedeutet das:  In dieser Form werden rechtzeitig  ausnahmslos alle projektbezogenen in der Verwaltung verwendeten Informationen veröffentlicht, insbesondere

  • die Protokolle aller Versammlungen (u.a. Gemeinderatssitzungen) und der zu deren Verständnis notwendigen Hintergrundinformationen,
  • die Tagesordnungen aller kommenden Sitzungen,
  • öffentliche Bekanntmachungen, in denen die Verwaltung die Bürger auffordert, zu Problemstellungen Kommentare abzugeben,
  • die Entwürfe für Beschlussfassungen.

Die zweite Schiene von Open Government ist die Beteiligung der Bürger über 

  • den Austausch in Blogs und auf den Plattformen von sozialen Medien (facebook, twitter),
  • Workshops. 

Das wird in England und den USA schon praktiziert. In Deutschland wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren 2008 eine Studie erstellt.

Projektierte Windfarm Ankershagen: Abschätzung der Gewerbesteuern

Stand: 22.3.2013

Annahmen

Die Höhe der jährlich aufgebrachten Gewerbesteuern hängt von einer Reihe von Parametern ab [Leistungsbilanz]:

  • den technischen und meteorologischen, welche die in der Windfarm erzeugte Energiemenge festlegen,
  • den wirtschaftlichen, welche Energie in Einnahmen umzurechnen gestatten und
  • den steuerrechtlichen, welche in die Umrechnung von Gewinn in Gewerbesteuern eingehen.

Diese Parameter und ihre zeitliche Veränderlichkeit sind spezifisch für den Ort der Windfarm und das dort verwirklichte Geschäftsmodell. Mir als Nicht-Fachmann liegen diese Daten nicht vor.

Ich habe  im Internet bisher nur 2 Quellen [1, 2] mit Daten für Gewerbesteuern aus Windfarmen finden können. Die Analysen darin beziehen meist eine Vielzahl von Windfarmen ein, so dass ich ihre Aussagen in erster Näherung als allgemein gültig  werte.

Wegen der im gegenwärtigen Zeitpunkt geringen Anforderungen an die Genauigkeit der Schätzungen werde ich diese Daten auf die Größe der Ankershagener Windfarm extrapolieren.

Damit mache ich implizit die folgenden Annahmen:

Technische und meteorologische Parameter: Es wird grob vereinfachend angenommen, dass 

  • die zitierten Windenergiefarmen und die projektierte in Ankershagen dengleichen Wirkungsgrad haben.
  • die jährlichen Schwankungen der Windenergie entweder in den Berechnungen [1, 2] berücksichtigt wurden oder unerheblich sind. Beispiel für diese Schwankungen im Raum Hannover: Die Jahresvolllastundenzahl bei gleicher technischer Verfügbarkeit der Windenergieanlagen hätte in einem Normalwindjahr 25% über der im Jahr 2009 erreichten Stundenzahl gelegen.

Wirtschaftliche und steuerrechtliche Parameter

  • Die Gewerbesteuern werden auf Basis dreier verschiedener wirtschaftlicher und steuerrechtlicher Parametergruppen abgeschätzt (Schätzwerte des BWE, Schätzwerte des deENet, tatsächlich gezahlte Gewerbesteuern nach deENet)

Es stellt sich interessanterweise heraus (s. unter „Ergebnisse“), dass die auf dieser Basis erhaltenen Extrapolationen gemessen an unseren gegenwärtigen Genauigkeitsansprüchen nur geringfügig von einander abweichen. Ich vermute,

  • die verwendeten Einflussparameter selbst stimmen weitgehend überein oder
  • der Einfluss von realistischen Parametervariationen auf die Höhe der Gewerbesteuern ist für unsere Vorausschätzung unerheblich.

Diese Vermutungen -und die folgenden Ergebnisse- stehen im Einklang mit den Erfahrungswerten („Hausnummern“) aus den Altentreptower Windfarmen.

Ergebnisse

Der Bundesverband Windenergie geht bei seiner Abschätzung der Gewerbesteuern von einer Windfarm mit 12 MW Nennleistung aus [1]. Die projektierte Windfarm in Ankershagen hat mit ihrer Nennleistung von 25.3 MW eine um den Faktor F = 25.3/12 höhere Leistung. Unter der -wie oben betont- sehr groben Annahme, dass folglich auch die Gewerbesteuern um ebendiesen Faktor F höher sind, stellt die folgende Abbildung eine erste, grobe Schätzung des Ankershagener Gewerbesteueraufkommens dar.

bwe-wpd

Abb. 1: Grobe Schätzung des Gewerbesteueraufkommen der projektierten Windenergiefarm Ankershagen (Nennleistung = 11 * 2.3 MW nach Folie 11, F. Wulschke, „Wind„, 15.3.2013), willkürlich berechnet allein durch Skalierung der Abb. 1 der BWE-Publikation „Windkraftprojekte bringen Geld in die kommunale Kasse.“ Die Höhen der roten Balken sind die Ordinatenwerte der Abb. 1 der BWE-Studie, vergrößert um den Faktor F, um den die Windenergiefarm Ankershagen stärker ist als die der BWE-Studie (F = 11 * 2.3 MW / (4 * 3 MW)). Die Summe der roten Balken beträgt 3.0 Millionen Euro.

Alternativ kann man die notwendigen Gewerbesteuerschätzwerte

  1. aus Studien der Deutschen Energieagentur dena, referiert in [1]:Windenergieanlage mit 6 MW Nennleistung bringt in 20 Jahren Betrieb typischerweise 1 Mio Euro Gewerbesteuer- und 1.5 Mio Euro Pachteinnahmen
    und
  2. aus dem „100% Erneuerbare-Energie-Regionen“- Projekt [2]

entnehmen und erhält nach Extrapolation für Ankershagen ein ähnliches Ergebnis wie in Abb. 1 dargestellt.

Im 100% Erneuerbare-Energie-Regionen-Projekt hat Andre Schröder, der Autor des Materials,  auch tatsächliche gezahlte Gewerbesteuern berücksichtigt. Passt man sie an die Größe des Ankershagener Projekts an, erhält man ein Gewerbesteueraufkommen für Ankershagen, das im 9. bis 14. Betriebsjahr zwischen 250 und 500 Tausend Euro pro Jahr liegt.

Abschätzung der Abweichung zwischen Ertragsprognose und tatsächlichem Ertrag
Der Windfarmbetreiber gibt eine Ertragsprognose ab, und darauf aufbauend kann die Gemeinde das Gewerbesteueraufkommen vorhersagen. Diese Prognosen beruhen auf Modellrechnungen, deren Genauigkeit den wirtschaftlichen Anforderungen des Betreibers genügen. Wenn die Gemeinde einerseits einen finanziellen Nutzen aus den wirtschaftlichen Aktivitäten des Betreibers ziehen will, aber keine eigenen Modellrechnungen vornehmen kann, muss sie andererseits vom Betreiber nicht vorhersehbare Schwankungen des Gewerbesteueraufkommens hinnehmen.

In den Abbildungen 2 und 3 zitiere ich Stichproben der Ungenauigkeiten in den Ertragsprognosen des Betreibers Windwärts. Standorte und Zeitpunkt der Stichproben habe ich aus dem Angebot von Windwärts beliebig -aber hoffentlich repräsentativ- ausgewählt.

Die indexkorrigierten Prognosefehler sind geringer als 10% des Prognosewerts.

Quelle: Windwärts, Betriebsergebnisse Windenergie [3]

scholen_2012Abb. 2a: Scholen, Jahresübersicht 2012.
scholen_2004-2013Abb. 2b: Scholen, Gesamtübersicht 2004 bis 2/2013.

Standort Scholen (Google Maps).

y-Achse: Stromproduktion kumulativ, y-Bereich: 0 < y <28 050 MWh (Abb. 2a). 0 < y < 240 900 MWh (Abb. 2b).

x-Achse: Monat (Jahr 2012), Jahr (Gesamtübersicht), x-Bereich: 1 < x < 12 (Abb. 2a), 2004 < x < 2013 (Abb. 2b).

Symbole: Dunkelblau: Produktion im Vormonat (Vorjahr), hellblau: Produktionszuwachs im Monat (Jahr). Durchgezogene Linie: Prognose, gestrichelte Linie: Produktion im Vorjahr (Abb. 2a), indexkorrigierte Ertragsprognose (Abb. 2b).

sylda_2012Abb. 3a: Sylda, Jahresübersicht 2012
sylda_2002-2013Abb. 3b: Sylda, Gesamtübersicht 2002 bis 2/2013

Standort Sylda (Google Maps),

y-Achse: Stromproduktion kumulativ, 0 < y < 9 900 MWh (Abb. 3a), 0 < y < 103 400 MWh (Abb. 3b).

x-Achse: Monat (Abb. 3a), Jahr (Abb. 3b), Januar ≤ x ≤ Dezember (Abb. 3a), 2002 ≤ x ≤ 2/2013 (Abb. 3b).

Symbole: Dunkelblau: Produktion im Vormonat, hellblau: Produktionszuwachs. Durchgezogene Linie: Prognose, gestrichelte Linie: Produktion im Vorjahr (Abb. 3a), indexkorrigierte Prognose (Abb. 3b).

Literatur